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Leseprobe:
Simons Prüfung
Der größte Teil der Anwesenden
waren Menschen – was der heutige Leser wahrscheinlich als
Selbstverständlichkeit erachtet – aber es fand sich auch
eine Gruppe Zwerge, die gewichtige Reden schwangen und grimmig
dreinschauten, derweil ihre kurzen Beine ein ganzes Stück über
dem nicht gerade besenreinen Fußboden baumelten. Gleich rechts
neben der Tür saßen zwei edle Elben, deren körperlich
bedingte Unverträglichkeit von Bier bei gleichzeitigem Genuss
desselben für die bereits auf die Tischplatte gesunkenen zarten
Häupter verantwortlich war, wobei das zierlich gespitzte Ohr
des kleineren drohte, sich in einer ausgedehnten Bierlache
aufzulösen. Die beiden Tische in nächster Nähe zum
Eingang der Küche – und wohlgemerkt, ich meine die Tische
selbst, nicht etwa die umgestoßenen Hocker drum herum –
diese beiden Tische also wurden besetzt von einem riesigen Troll und
einem trolligen Riesen, die von jeweils einem weiteren Tisch
bergeweise alle möglichen Teile von allen möglichen Tieren
in sich hineinschaufelten, hier und da gewürzt durch ein
kleines Erbschen, Rübchen oder Köhlchen und angereichert
durch den einen oder anderen Laib Brot.
Noch weitere
absonderliche Gestalten boten sich dem Auge des Betrachters dar, von
denen hier nur noch ein behaarter Tartus, zwei übelriechende
Gnarfe, eine Horde umherschwirrender Elfen, ein Wurzelgnom, drei
krummschnabelige Bolgs, zwei Molche, ein Scriptor Insanus, eine
Rumpelhexe, eine aufgeregte Gruppe japanischer Touristen und ein
Einhorn – welches hier allerdings ein wenig deplaziert wirkte
– genannt sein sollen. Wir vertrauen hierbei auf die
Vorstellungskraft des Lesers, da uns zur genaueren Betrachtung die
Zeit fehlt, denn eigentlich interessiert uns ja vor allem, wie es
Simon weiter erging.
Leseprobe:
Flucht in den Wald
Cwen lief und
lief. Kaum war ihr bewusst, dass sie auf den Dernwald zulief. Tränen
strömten über ihre erröteten Wangen. Stoßweise
bildete ihr Atem kleine Wölkchen in der eisigen Luft. Sie
spürte die Kälte nicht. Im Laufen befreite sie sich von
dem schwarzen Band, das ihr volles Haar in einen geflochtenen Zopf
zwang. Wut und Verzweiflung trieben sie voran.
Längst
hatte sie das Dorf hinter sich gelassen. Das Dorf und Ceorl. Keinen
Tag länger wollte sie bei dem Mann verweilen, der sie im
Frühjahr zur Frau genommen hatte. Wenig hatte sie sich von der
Ehe mit dem Schmied versprochen und doch nicht geahnt, welche Qual
sie würde erdulden müssen. Des Vaters Schuld hatte sie
begleichen wollen und ihn damit ihres eigenen Leids schuldig
gemacht.
Eard, ihr
Vater, hatte erst seine Frau verloren, dann nach einer Missernte
sein Land an Ceorl verkaufen und es in seinem Auftrag bestellen
müssen. Die Ochsen des Schmieds waren im darauffolgenden Winter
in Eards Obhut eingegangen, wofür der herzlose Mann den armen
Bauern verantwortlich machte. Weil der die geforderte Entschädigung
nicht hatte zahlen können, forderte Ceorl Cwen zur Frau. Nie
wäre Eard darauf eingegangen, kannte er doch den jähzornigen
und bösen Charakter des Schmieds, aber Cwen, in Sorge um ihren
Vater, hatte dem schließlich zugestimmt, obgleich sie sich vor
dem grimmigen Manne fürchtete und beim Anblick seiner fetten
Arme und des aufgedunsenen Gesichts Ekel empfand.
Und dennoch war
Ceorl nicht zufrieden. Nun, da er ihren Leib und ihre Schönheit
sein eigen nennen konnte, waren ihre Hoffnungen und Bedürfnisse
ohne Bedeutung für ihn. Mit kalter Verachtung vergalt er ihr
das Gelöbnis, welches er nur ihrer Liebe zum Vater verdankte.
Und noch immer sah er seine Forderungen nicht als erfüllt an.
Beinahe jede Nacht ließ er sie durch die Hölle gehen,
wenn sie gegen Abneigung und Übelkeit ankämpfte, während
er, als stünde er noch am Amboss, seinen Sohneswunsch in ihren
verpfändeten Leib hämmerte. Und beinahe täglich
verfluchte er sie, wenn er ihr die Schuld am Misslingen all seiner
Mühen gab.
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