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„Hello.
How are you? My name is Penelope, I am 29 years
old, and I am a writer.“ Nein, unmöglich. “Hello.
I am Penelope, Peter’s girlfriend. How do
you do?“ Oh Mann, noch schlimmer! Wie stellte man sich
denn nur vor auf Englisch? Seit Tagen zerbrach ich mir den Kopf über
die richtigen Floskeln, und obwohl ich das früher in der Schule
gelernt hatte, war ich mir in dieser Sache total unsicher. Die
Engländer fragten zum Beispiel einfach so, wie es einem ginge,
aber man durfte nicht darauf antworten, sondern musste das möglichst
ignorieren, oder noch besser: dasselbe zurückfragen. „My
name is Penelope. Nice to meet you.” Na ja, schon eher.
Ich sah nach draußen, wo sich unter uns das Meer ausbreitete.
Es war schön, die Welt
von oben zu betrachten. Peter hatte mir freundlicherweise einen
Fensterplatz im Flugzeug besorgt und so teilte ich meine Zeit auf
zwischen Grübeln, Hinausstarren, Peter Anschauen und Essen.
Peter saß neben mir auf dem Platz in der Mitte, der nächste
Sitz direkt am Gang war freigeblieben, weil unter der Woche das
Flugzeug nicht ausgebucht war. Ich war wahnsinnig aufgeregt, Peter
dagegen entspannt und irgendwie müde, was dazu führte, dass
er öfter die Augen zu hatte, wenn ich mit ihm reden wollte. Dass
ich so nervös war, hatte einen guten Grund: Wir waren auf dem
Weg nach England, zu seinen Verwandten. Besser gesagt, wir flogen
nach Birmingham, wo Peters Vater mit seiner Familie lebte –
seiner zweiten Frau, den beiden Töchtern mit Familien und drei
Katzen, wenn ich es noch richtig wusste. Es war ja schließlich
nichts Alltägliches, dass man die Eltern seines Freundes
kennenlernen würde, oder?
Da wir um die Mittagszeit
flogen, hatte man uns einen kleinen Lunch serviert. Nicht gerade
umwerfend, aber es genügte, um mich ein wenig von der scheinbar
ewig andauernden Flugzeit von eineinhalb Stunden abzulenken. Zu den
Sandwiches gab es Tee oder Kaffee, wobei Peter seiner Neigung zu
Kaffee schwarz treu blieb, ich hingegen „black tea“
wählte, um mich auf das Land der Teetrinker vorzubereiten.
Danach hatte ich alle Muße, die ich mir wünschen konnte,
denn ich hatte es versäumt, mir ein Buch ins Handgepäck zu
stecken. Na schön, eine gute Gelegenheit, vor diesem anstehenden
wichtigen Ereignis noch einmal die letzten Monate gedanklich zu
rekapitulieren.
Seit
Peter mir im Februar gesagt hatte, dass er hoffnungslos in mich
verliebt sei, war mein Leben ein einziger Freudentaumel gewesen. Na
ja, fast. Es war natürlich unglaublich schön, verliebt und
mit jemandem zusammen zu sein, der das voll und ganz erwiderte. Aber
leider blieb man als frischgebackenes Paar nicht unbehelligt in
seiner großen rosa Blase. Es gab so profane Dinge wie das
Verdienen der Brötchen, das ständig störend gegen das
ganz natürliche Bedürfnis nach trauter Zweisamkeit
arbeitete und dafür sorgte, dass ich zum ersten Mal seit Beginn
meiner beruflichen Selbständigkeit kaum wusste, wie ich all der
Aufträge Herr werden sollte – ausgerechnet jetzt, wie
lästig! –, und Peter mit Kriminalfällen beschäftigt
hielt, die ihn zwischendrin auch noch zwei Mal ins Ausland führten.
Als
alles auch noch für uns ganz neu und ungewohnt war, kam mein 29.
Geburtstag am 24. Februar dazwischen, der eine erste Begegnung
zwischen Peter und meinen Eltern eigentlich viel zu früh
herbeiführte. Es war nicht so, dass sie sich nicht mochten –
nein, gar nicht, wirklich nicht! –, aber ich konnte Peter und
mich nicht so als Paar präsentieren, wie ich das vorgezogen
hätte, um meine Eltern an den Gedanken zu gewöhnen, dass
ich jetzt in einer ernsten Beziehung war.
Mein Vater quetschte Peter bis
aufs Unterhemd aus über seine Familie und seinen Beruf, meine
Mutter widmete sich seinem neugewonnenen christlichen Glauben, und
ich saß dabei und fand alles ziemlich grässlich. Als
endlich meine Cousine Susanne mit ihrem Freund Enrico und Sabine mit
ihrem Giuseppe auftauchten, hätte ich vor Dankbarkeit fast
geweint. Aber auch diese Prüfung ging vorüber, denn am
nächsten Tag fuhren meine Eltern wieder nach Hause und wir waren
durch ein paar hundert Kilometer Entfernung zwischen uns erst einmal
sicher vor ihnen. Frau Gerberich, meine Nachbarin, himmelte meinen
neuen Freund dagegen regelrecht an, denn sie kannte ihn ja schon von
diversen kurzen Begegnungen und hielt ihn für Sherlock Holmes
und Superman in einem – immer bereit, Leben zu retten, während
er ganz nebenbei ein paar schreckliche Verbrechen aufklärte. So
kam es, dass wir des öfteren bei ihr eingeladen wurden und die
Einladungen hin und wieder erwidern mussten, so dass auch das an
unserer Zeit zu zweit knabberte.
„Du
musst deine Rückenlehne aufrichten“, unterbrach Peter
meine Gedanken. Ich hatte die Ansage nicht mitbekommen, aber ich tat
wie geheißen. Mein Herz fing wie wild an zu schlagen, als ich
realisierte, dass wir uns nun schon fast im Landeanflug befanden.
Meine erste Begegnung mit britischem Land! Ich dachte an Sabine und
Giuseppe, die zwei aus unserem Hauskreis, die ebenfalls im Februar
zusammengekommen waren und bereits im August geheiratet hatten.
Danach waren sie in die Flitterwochen nach Italien gefahren, wo Teile
von Giuseppes Familie lebten. Und heute würden sie zurückkommen
und ihr neues Haus beziehen. Es war nicht wirklich neu, eher
historisch, denn es war ein altes Bauernhaus, aber es war komplett
renoviert und modernisiert, also rundum bewohnbar. Meine Cousine
Susanne, die die letzten Monate mit Sabine eine Wohngemeinschaft
gebildet hatte, wohnte jetzt allein in der Wohnung. Zwischen ihr und
Enrico kriselte es, ich machte mir etwas Sorgen, wie es mit den
beiden weitergehen würde. Vielleicht fand ich eine Gelegenheit,
sie anzurufen, während wir die nächsten zwei Wochen in
England waren.